Führungscoaching & Gestaltansatz: Warum Wissen allein nicht reicht

Topdog, Underdog, Mind-fucking: Was der Gestaltansatz über Führung verrät – und wie Coaching echte Veränderung im Team ermöglicht. Jetzt lesen.

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Führungscoaching & Gestaltansatz: Warum Wissen allein nicht reicht

 

Warum kluge Führungskräfte trotzdem feststecken und wie der Gestaltansatz helfen kann

 

Kategorie: Führung & Coaching | Lesezeit: ca. 10 Minuten
Tags: Führungskräfte-Coaching, Konfliktmanagement, Selbstführung, Gestaltansatz, Team-Mediation, authentische Führung, Kommunikation im Team


 

Du bist klug. Du analysierst präzise. Du kennst die Theorie. Und trotzdem – in bestimmten Situationen drehen sich die Gespräche im Kreis, eskaliert der Konflikt immer wieder an derselben Stelle, oder du merkst: Ich rede, aber es kommt nichts wirklich an.

 

Willkommen im Clubhaus der meisten Führungskräfte.

Was steckt dahinter? Und was hilft wirklich – jenseits von noch mehr Strategie, noch mehr Kommunikationsmodellen, noch mehr „Kopf-Arbeit“?

 

Die Antwort liegt überraschenderweise in einem Konzept, das Fritz Perls, der Begründer der Gestalttherapie, einmal trocken auf den Punkt brachte: „Mind-fucking.“


 

Was ist Mind-Fucking – und warum ist es das Kernproblem in Führung und Konflikten?

 

Perls meinte damit das endlose Grübeln, Analysieren und Rationalisieren, mit dem wir uns von dem entfernen, was tatsächlich passiert – von dem, was wir wirklich fühlen, brauchen und tun könnten.

 

Im Führungsalltag sieht das so aus:

  • Du weißt genau, dass du in einem Meeting immer wieder ausweichst – aber du analysierst warum, anstatt es zu ändern.
  • Du erkennst den Muster-Konflikt mit deiner Stellvertreterin – aber du verstehst ihn intellektuell, ohne wirklich in Kontakt zu gehen.
  • Du hast tausend Erklärungen für das schlechte Teamklima – aber du sitzt im nächsten Workshop und redest über das Problem, anstatt es zu erleben und aufzulösen.

Das ist keine Kritik. Das ist menschlich. Es ist sogar intelligent.

Nur: Verstehen ist nicht dasselbe wie Verändern.

 

Wie das in der Praxis aussieht – und warum Gestalt-Coaching dabei einen anderen Ansatz wählt als klassische Beratung – beschreibe ich ausführlich im Artikel „Wachstum beginnt dort, wo das Unbequeme anfängt“.


 

Die Schichten, die uns im Weg stehen: Perls‘ Modell – und warum es im Arbeitskontext so verblüffend passt

 

Perls beschrieb verschiedene Schichten, durch die ein Mensch hindurchmuss, um zu echter Lebendigkeit – und damit zu echter Führungskraft – zu gelangen.

 

Schicht 1: Die Klischee-Schicht

 

„Wie geht’s?“ – „Gut, danke.“ Das Spielchen kennt jeder. Im Büro heißt das: Höflichkeitsrituale, oberflächliche Check-ins, Meeting-Phrasen. Es ist nicht falsch. Aber es ist auch nicht echt.

 

Viele Teams bleiben genau hier stecken. Sie sprechen miteinander, ohne sich wirklich zu begegnen. Was daraus folgt – stille Eskalation, wachsende Frustration, sinkende Produktivität – beleuchte ich im Artikel Stille Eskalation: Teamkonflikte lösen in Ludwigsburg & Stuttgart.

 

Schicht 2: Die Rollen-Schicht

 

Hier spielen wir die Figuren, von denen wir glauben, dass wir sie sein müssen: Die unerschütterliche Chefin. Der sachliche Analytiker. Die harmoniebedürftige Teamplayerin. Die Kritikerin, die nie zufrieden ist.

 

Diese Rollen sind nicht böse – sie haben eine Funktion. Aber wenn sie alles überdecken, entsteht das, was Perls als Topdog/Underdog-Dynamik beschrieb: Ein innerer (und äußerer) Dauerkonflikt zwischen dem strengen Richter und dem trotzig-ohnmächtigen Gegenüber.

 

Kennst du das? Die Führungskraft, die nach außen Kontrolle ausstrahlt und sich innerlich fragt, warum niemand mitdenkt?

Oder das Team, das zustimmt und dann doch sabotiert?

 

Das ist kein Charakterproblem. Das ist unaufgelöste Topdog/Underdog-Dynamik – und ein klassisches Thema im Führungscoaching.

 

Schicht 3: Die Implosion

 

Wenn jemand beginnt, ehrlicher zu werden – mit sich selbst, mit anderen – kommt oft erstmal Lähmung. Stille. Das Gefühl: Wenn ich wirklich sage, was ich denke, bricht alles zusammen.

 

Im Coaching nennen wir das den Moment kurz bevor echte Veränderung möglich wird. Es ist unbequem. Es ist aber auch ein Zeichen, dass jemand kurz vor einem echten Durchbruch steht.

 

Warum das so ist und wie nachhaltige Verhaltensänderung wirklich funktioniert, erkläre ich dort ausführlicher.

 

Schicht 4: Die Explosion – oder: echte Lebendigkeit

 

Wenn die Blockaden aufgelöst sind, taucht echte Energie auf. Nicht Aggression. Nicht Ausbruch. Sondern: Klarheit. Direktheit. Präsenz. Die Fähigkeit, wirklich in Kontakt zu gehen.

 

Das ist der Punkt, an dem Führung aufhört, Verwaltung zu sein, und anfängt, Wirkung zu entfalten.


 

Topdog und Underdog: Das verborgene Drehbuch in jedem Konflikt

 

Eines der mächtigsten Konzepte aus der Gestaltarbeit lässt sich auf nahezu jeden Teamkonflikt, jede Führungsbeziehung und jedes Unternehmenskultur-Problem anwenden.

 

Der Topdog ist der innere (oder äußere) Richter. Immer rechtschaffen. Immer mit dem moralischen Fingerzeig. „Du hättest das früher erledigen sollen.“ „So geht man mit Kunden nicht um.“ „Profis beschweren sich nicht.“

 

Der Underdog scheint schwächer – ist es aber nicht. Er antwortet mit: „Ja, aber ich versuche es doch.“ „Es war nicht meine Schuld.“ „Ich hab das schon immer so gemacht.“ Und er unterlaufen, vergisst, verzögert.

 

Perls schrieb treffend: Der Topdog ist zwar Richter – aber der Underdog regiert trotzdem. Er beherrscht den Topdog mit scheinbarer Unterwerfung.

 

Was bedeutet das in der Praxis?

  • Das Mitarbeitergespräch, das formell gut läuft, aber danach nichts ändert.
  • Die Teamvereinbarung, die jeder unterschreibt – und keiner einhält.
  • Der Chef, der „klare Ansagen macht“, und das Team, das freundlich nickt und seinen eigenen Weg geht.

In der Team-Mediation und im Führungscoaching geht es darum, dieses Drehbuch sichtbar zu machen – und neu zu schreiben.


 

Verantwortung übernehmen: Der entscheidende Schritt

 

Perls hatte einen klaren Standpunkt: Solange wir Verantwortung für das projizieren, was in uns selbst passiert, bleibt uns echte Handlungsfähigkeit verwehrt.

 

Im Führungskontext heißt das: nicht „Das Team kommuniziert schlecht“, sondern – wie kommuniziere ich?

 

Nicht „Mein Gegenüber ist konfliktscheu“, sondern – welchen Anteil trage ich dazu bei, dass Konflikte nicht direkt angesprochen werden?

 

Das klingt simpel. Es ist es nicht. Es erfordert einen geschützten Rahmen, ehrliche Reflexion und oft eine begleitende Person, die den Spiegel hält, ohne zu urteilen. Genau das ist Kern meiner Arbeit als Business Coach in Ludwigsburg und Stuttgart.

 

Verantwortung übernehmen heißt nicht, an allem schuld zu sein. Es heißt, handlungsfähig zu bleiben.

 

Eng damit verbunden ist das Thema Bindungsmuster: Wie wir in frühen Beziehungen gelernt haben, mit Nähe und Verantwortung umzugehen, zeigt sich auch heute noch im Führungsverhalten.

 

Mehr dazu im Artikel Beziehungssicherheit aufbauen.


 

Kontakt als Führungskunst: Zwischen Nähe und Rückzug

 

Ein weiteres zentrales Gestalt-Konzept ist der Kontaktzyklus: der Rhythmus zwischen echtem Kontakt mit der Welt – mit Menschen, Aufgaben, Gefühlen – und gesundem Rückzug, um sich zu regenerieren.

 

Führung, die ausschließlich auf Effizienz setzt, vergisst den zweiten Teil. Teams, die permanent erreichbar sein müssen, verlieren langfristig ihre Fähigkeit zur echten Präsenz – und ihre Resilienz. Was aktuelle Forschung dazu sagt, beleuchtet mein Artikel Führung 2025+: Was Studien über die Kompetenzen der Zukunft verraten.

 

Perls beschrieb ein Experiment: Schau einem Menschen in die Augen. Merkst du – schaust du wirklich? Oder trägst du ein inneres Spiegelbild von dir selbst durch den Raum und spiegelst nur, was du sehen möchtest?

 

Viele Führungskräfte tun genau das: Sie glauben, in Kontakt zu sein, weil sie viele Gespräche führen. Aber echter Kontakt – der, bei dem das Gegenüber wirklich wahrgenommen wird – ist seltener, als wir denken.

 

Präsenz und Stressbewältigung sind daher auch ein zentrales Thema in unserem Stressbewältigungs-Coaching Ludwigsburg Stuttgart.


 

Wenn tief verwurzelte Muster stören: NARM und IntrovisionCoaching

 

Manchmal reicht klassisches Coaching nicht aus – weil die Blockaden tiefer liegen als ein Kommunikationsproblem oder eine Strategie-Frage.

 

Wenn innere Überlebensstrategien aus der frühen Kindheit das heutige Handeln steuern, braucht es einen Ansatz, der an die Wurzel geht.

 

Zwei Methoden, die ich in meiner Arbeit einsetze:

  • NARM Coaching – für Menschen, die erkennen, dass ihre Reaktionen in Stress- und Konfliktsituationen unverhältnismäßig stark sind und sich fragen, woher das eigentlich kommt und wie man das verändern kann.
  • IntrovisionCoaching – eine Methode zur nachhaltigen Auflösung innerer Konflikte und blockierender Denkmuster, die auch unter Druck stabil hält.

 

Was das für dein Coaching bedeutet: Vom Verstehen zum Erleben

 

Klassische Führungskräfteentwicklung setzt stark auf Wissensvermittlung: Kommunikationsmodelle, Führungsstile, Konfliktstrategien. Das hat seinen Wert.

 

Gestaltorientiertes Coaching geht einen Schritt weiter. Es arbeitet mit dem, was gerade jetzt passiert – nicht nur mit dem, was du über dich weißt. Es nutzt den gegenwärtigen Moment als Werkzeug. Es macht Muster erlebbar, nicht nur erklärbar.

 

Das bedeutet konkret:

  • Im Einzelcoaching für Führungskräfte: Wir schauen, welche inneren Drehbücher dein Handeln leiten – und wie du wieder Autor deines eigenen Lebens wirst.
  • In der Team-Mediation: Wir bringen das eigentliche Gespräch ans Licht, das unter den offiziellen Positionen läuft – und schaffen Grundlagen für echte Zusammenarbeit statt Schaukämpfe. Auch bei konkreten Konflikten am Arbeitsplatz oder wenn es darum geht, Konflikte zu lösen.
  • Im Teamcoaching: Über mehrere Sessions hinweg entsteht Tiefe. Einzelne Erkenntnisse werden zu nachhaltigen Veränderungen in der gemeinsamen Zusammenarbeit – auch als Teamentwicklung angelegt.
  • Im Konfliktcoaching: Wenn Konflikte sich bereits festgefahren haben und es mehr braucht als ein Mitarbeitergespräch. Hier wirst du befähigt, solche Konflikte in deiner Führungsverantwortung anzugehen.

 

Räume, in denen Veränderung passiert

 

Veränderung braucht einen Ort. Nicht das Großraumbüro. Nicht das 45-Minuten-Online-Meeting. Sondern Räume, in denen Innehalten erlaubt ist.

 

Genau das bieten die Coaching-Retreats und der EntfaltungsRaum – am Ammersee, in Ludwigsburg und auf Kreta, buchbar auch über www.eraum.info. Für Führungskräfte, die tiefer gehen wollen. Für Teams, die echte Neustarts brauchen. Für Menschen, die spüren: Es reicht nicht mehr, noch mehr zu wissen. Es ist Zeit, neue Erfahrungen zu machen und zu wachsen.

 

Der Ortswechsel ist kein Luxus. Er ist Methode. Wenn sich der Körper in einem neuen Raum befindet, wird das Gehirn durchlässiger für Neues. Natur, Stille und der Abstand vom Alltag sind keine Extras – sie sind Teil des Prozesses.

 

Du willst erst einmal schauen, wer hinter M hoch x steckt? Dann lohnt sich ein Blick auf die Seite zu Menexia Kladoura oder der Überblick über alle Leistungen.


 

Wenn es nicht nur um Führung geht: Paarbeziehungen im Fokus

 

Viele Muster, die im Beruf auftauchen, haben ihren Ursprung woanders. In der frühen Prägung. In Beziehungsmustern. In dem, was wir gelernt haben, wie man „richtig“ ist, was man zeigen darf und was man besser verbirgt.

 

Das Topdog/Underdog-Spiel kennt keine Grenzen zwischen Privat und Beruf. Wer es in der Partnerschaft nicht auflöst, trägt es in jede Führungsbeziehung mit.

 

Für alle, die merken: Die eigentliche Arbeit beginnt zu zweit – gibt es ein eigenes Angebot auf paarbeziehung-im-fokus.de.


 

Kurz zusammengefasst: Was Gestalt-Coaching dir als Führungskraft bringt

 

  • Du erkennst, welche Rollen und Drehbücher dein Handeln automatisch steuern.
  • Du lernst, den Unterschied zwischen echtem Kontakt und Schein-Kommunikation zu spüren.
  • Du wirst handlungsfähiger in Konflikten – nicht weil du mehr weißt, sondern weil du weniger automatisch reagierst.
  • Du entwickelst eine Führungspräsenz, die andere spürbar berührt und bewegt – Thema meines Angebots zur Persönlichkeitsentwicklung Ludwigsburg Stuttgart.
  • Du übernimmst Verantwortung – für dich, und wirklich nur für dich.

 

Bereit für den nächsten Schritt?

 

Wenn du merkst, dass dieser Artikel etwas in dir ausgelöst hat – ein Thema, eine Frage, ein Unbehagen oder eine Neugier – dann ist das kein Zufall.

 

Ich begleite Führungskräfte und Teams in Einzel-Coachings, Coaching-Reihen, Team-Mediationen und intensiven Retreatformaten. Bodenständig, direkt, gestaltorientiert – allein oder im eingespielten Team.

 

Mehr erfährst du auf www.mhochx.com – oder schreib mir direkt. Das erste Gespräch ist unverbindlich.

 

Und wenn du auf der Suche nach einem Rahmen für Vertiefung bist:


 

Dieser Artikel bezieht sich inhaltlich auf Konzepte aus der Gestalttherapie nach Fritz Perls. Die Übertragung in Führungs- und Teamkontexte basiert auf langjähriger Coaching-Praxis.

→ Jetzt ein kostenloses Erstgespräch vereinbaren


 

Herzliche Grüße aus Ludwigsburg,

Menexia Kladoura
M hoch x – Beratung, Coaching und Mediation


 

 

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Viel Freude beim Lesen wünschen

Menexia Kladoura und das ganze Team von M hoch x

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