NARM Coaching

NARM Coaching und Überlebensstrategien: Wie Coaching mit Tiefgang innere Muster verändert: Für Wirksamkeit und gute Beziehungen.

NARM Coaching Verantwortung nachhaltige Verhaltens-Änderung

NARM Coaching

Coaching mit Tiefgang

 

Wie alte Überlebensstrategien heute Führung, Beziehungen und innere Stabilität prägen

 

Viele Menschen, die ihren Weg ins Coaching finden, beschreiben kein einzelnes akutes Problem, sondern ein tieferes, oft dauerhaftes Empfinden:

das Gefühl, innerlich nicht ganz anzukommen. Bei sich selbst, in Beziehungen, im beruflichen Kontext oder in Momenten, die eigentlich erfüllend sein sollten.

 

Sie sind reflektiert, leistungsfähig, zuverlässig – und gleichzeitig spüren sie, dass etwas in ihnen „auf Abstand“ bleibt, sich zurückzieht, sich anstrengt oder in Stress gerät, wenn es eigentlich wichtig wäre, präsent und authentisch zu sein.

 

Dieses Gefühl ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist Ausdruck alter, früh erlernter Überlebensstrategien – Automatismen, die sich entwickelt haben, um ein Kind zu schützen, das sich emotional oder relational unzureichend gehalten fühlte.

 

Genau hier setzt das Neuroaffektive Beziehungsmodell (NARM) an: ein psychodynamischer Ansatz im Coaching, der erklärt, warum wir heute so reagieren, wie wir reagieren, und der uns ermöglicht, wieder mehr Wahlfreiheit, Lebendigkeit und Verbindung zu erleben.

 

Meine Post-Reihe in LinkedIn dazu:

 

Auftaktpost zu NARM

 

Kontakt-Überlebensstruktur

 

Einstimmungs-Überlebensstruktur

 

Autonomie-Überlebensstruktur

 

Vertrauens-Überlebensstruktur

 

Liebe-Intimität-Überlebensstruktur (folgt)

 

In diesem Blog-Artikel gebe ich einen umfassenden Einblick in diese Arbeit.


 

1. Was ist NARM – und warum ist es ein wirksamer Ansatz im Coaching mit Tiefgang?

 

NARM verbindet Erkenntnisse aus der Bindungsforschung, Entwicklungspsychologie, Neurobiologie und Körperpsychotherapie. Der zentrale Gedanke lautet:

 

Wir Menschen sind von Natur aus auf Kontakt, Verbindung und Lebendigkeit ausgerichtet.

 

Wenn diese Bedürfnisse in der Kindheit nicht ausreichend beantwortet wurden, entwickeln wir Überlebensstrategien. Sie waren damals eine geniale Lösung. Sie brachten Ruhe, Orientierung, Halt oder Schutz. Heute jedoch wirken sie oft gegen uns, ohne dass wir es bewusst merken.

 

NARM ist kein therapeutischer Rückblick in die Vergangenheit.

 

Es ist ein präziser, achtsamer, gegenwartsbezogener Coachingansatz, mit dem erkundet und ins Bewusstsein gebracht wird:

  • Welche Muster zeigen sich jetzt, während du erzählst?

  • Wie reagiert dein Körper?

  • Welche Impulse treten auf – Rückzug, Anspannung, Kontrolle, Anpassung?

  • Welche alten Überlebensstrategien werden aktiviert?

  • Wie beeinflussen sie Führung, Beziehungen, Nähe, Konflikte, Selbstkontakt?

Ziel ist es nicht, die Vergangenheit zu „lösen“, sondern die inneren Muster zu erkennen, die heute unbewusst dein Erleben steuern – und sie Stück für Stück zu transformieren.


 

2. Die fünf Überlebensstrategien im NARM-Modell

 

NARM unterscheidet fünf grundlegende Lebens- und Beziehungsbedürfnisse:

 

  1. Kontakt

  2. Einstimmung

  3. Vertrauen

  4. Autonomie

  5. Liebe & Sexualität

Wenn diese Bedürfnisse nicht ausreichend beantwortet werden, bilden sich fünf Überlebensstrategien. Sie sind keine Diagnosen, sondern innere Organisationsweisen.

 

Sie sind Ressourcen und Hindernisse zugleich – abhängig davon, wie bewusst wir sie heute gestalten können.


 

3. Die Überlebensstrategie Kontakt – Wenn Nähe unsicher wird

 

Wie Kontakt entsteht – und warum er schwindet

 

Das Bedürfnis nach Kontakt ist das Fundament unserer Entwicklung: gesehen werden, gehalten werden, willkommen sein.

 

Wenn ein Kind erlebt, dass es keinen sicheren Platz hat, entstehen schambasierte Überzeugungen wie:

  • „Ich bin anders als die anderen.“

  • „Ich bin nicht willkommen.“

  • „Ich habe keinen Platz.“

  • „Mit mir stimmt etwas nicht.“

Diese Annahmen prägen später das Gefühl, im Leben keinen echten Platz zu haben – beruflich, sozial, zwischenmenschlich, manchmal sogar im eigenen Körper.

 

Wie Kontakt im Alltag sichtbar wird

 

Menschen mit dieser Überlebensstrategie:

  • ziehen sich innerlich zurück

  • analysieren statt zu fühlen

  • wirken rational, kontrolliert und distanziert

  • sprechen über sich oft aus der Beobachterperspektive

  • haben Schwierigkeiten mit Erdung und Körperkontakt

  • fühlen sich in Gruppen wie „außerhalb“

  • erleben tiefe Scham, wenn sie sich emotional zeigen sollen

 

Beispiel aus einer Teamsituation

 

Manuel, Teamleiter in einem Unternehmen, wirkt äußerlich ruhig, kontrolliert, strukturiert. Doch sobald ein Meeting emotionaler wird oder Meinungsverschiedenheiten auftauchen, zieht er sich innerlich zurück. Er redet sachlich, wirkt unbeteiligt. Sein Team erlebt ihn nicht als unfreundlich, aber als ungreifbar.

 

Im Coaching zeigte sich:
Er hatte Angst, sich falsch zu fühlen oder abgelehnt zu werden. Sein rationales Auftreten war ein Schutz – ein notwendiger Abstand zu einem frühen Gefühl von „Ich gehöre nicht dazu“.

 

Wie NARM hier wirkt

 

Coaching schafft einen neuen, sicheren Kontakt. Nicht durch Fragen, nicht durch Techniken, sondern durch:

  • ruhige, nicht bewertende Präsenz

  • achtsames Wahrnehmen dessen, was im Körper passiert

  • neue Erfahrungen von „Ich bin da – und es ist okay“

Oft beginnt Veränderung mit kleinen körperlichen Momenten:

  • der Atem wird tiefer

  • der Blick kontaktfähiger

  • die Schultern sinken

  • ein erster, vorsichtig gesprochener Satz wie: „Ich merke gerade, dass mir das nahe geht.“

Diese neuen Erfahrungen unterbrechen alte Muster – und ermöglichen neue Beziehungen zu sich selbst und zu anderen.


 

4. Die Überlebensstrategie Einstimmung – Wenn eigene Bedürfnisse keinen Raum hatten

 

Wie die Einstimmungsstrategie entsteht

 

Einstimmung bedeutet: Jemand nimmt wahr, was du brauchst, und reagiert darauf. Wenn das wiederholt nicht passiert, entsteht Scham:

  • Ich darf nichts brauchen.“

  • „Meine Bedürfnisse sind zu viel.“

  • „Ich schäme mich, wenn ich etwas brauche.“

  • „Ich brauche nichts.“ 

Das Kind lernt:

  • sich auf andere zu konzentrieren

  • die eigenen Bedürfnisse wegzuschieben

  • Harmonie zu sichern

  • Belastung zu vermeiden

  • sich zuständig zu fühlen

 

Wie die Einstimmungsstrategie heute sichtbar wird

 

Menschen mit der Einstimmungsüberlebensstrategie:

  • kümmern sich um andere, bevor sie selbst spüren, was sie brauchen

  • schieben eigene Bedürfnisse sofort weg

  • fühlen Scham, wenn sie etwas wollen

  • werden plötzlich fordernd, wenn der innere Druck zu groß wird

  • erleben körperlich oft einen eingefallenen Brustraum oder flache Atmung

  • sind anfällig für Erschöpfung und depressive Verstimmungen

 

Beispiel aus dem Führungskontext

 

Sarah, Bereichsleiterin, ist extrem fürsorglich. Sie merkt Verspannungen in ihrem Team bevor die Menschen selbst sie bemerken. Sie organisiert, hält zusammen, entlastet – und wundert sich, warum sie abends völlig erschöpft ist.

 

Im Coaching, als ich fragte: „Was brauchen Sie gerade selbst?“ entstand eine lange Stille. Dann kam ein vorsichtiges: „Ich weiß es nicht.“ Ihr Körper hatte es vorher gesagt: Der Brustraum war leicht eingefallen, die Stimme zurückgenommen, der Atem flach. Das spiegelte ich ihr und so dadurch wurde es ihr auch bewusst.

 

Wie NARM hier wirkt

 

Der Schlüssel ist eine neue Beziehungserfahrung mit mir als Coach:

  • Jemand interessiert sich mit echter, nicht-drängender Neugier für das Innere.

  • Scham bekommt Raum, ohne den Boden wegzuziehen.

  • Bedürfnisse werden sichtbar – vielleicht zum ersten Mal ohne Gefahr.

  • Kleine Impulse können ausgesprochen werden:
    „Ich brauche gerade eine Pause.“
    „Ich merke, dass ich mich zurücknehme.“
    „Es fällt mir schwer, das zu sagen.“

In vielen Fällen verändert allein diese Erfahrung bereits das innere System. Nicht durch Erklärungen, sondern durch eigenes Erleben.


 

5. Die Autonomie-Überlebensstrategie – stark nach außen, unter Druck nach innen

 

Manche Menschen wirken im Arbeitskontext besonders zuverlässig, loyal und belastbar. Sie übernehmen Verantwortung, denken mit, halten durch und sorgen dafür, dass „der Laden läuft“. Gerade Führungskräfte mit dieser Haltung gelten oft als sehr engagiert und pflichtbewusst.

 

Gleichzeitig erleben sie innerlich nicht selten hohen Druck, Selbstzweifel oder Erschöpfung. Als eine mögliche Erklärung – keine Diagnose – kann hier die Autonomie-Überlebensstrategie eine Rolle spielen.

 

Woran sie erkennbar sein kann

 

Menschen, bei denen diese Überlebensstrategie wirksam ist, haben häufig früh gelernt, dass Eigenständigkeit schwierig oder riskant sein kann.

 

Unbewusst bleibt dann die Orientierung an Erwartungen anderer sehr stark.

 

Im Arbeitskontext zeigt sich das zum Beispiel durch:

  • ein ausgeprägtes Pflicht- und Verantwortungsgefühl

  • große Loyalität gegenüber Vorgesetzten, Projekten oder dem Unternehmen

  • Schwierigkeiten, klare Grenzen zu setzen oder Nein zu sagen

  • Entscheidungen, die lange vorbereitet, abgesichert oder immer wieder vertagt werden

  • Konflikte, die vermieden oder nur indirekt angesprochen werden

  • einen hohen inneren Anspruch, es „richtig“ zu machen und niemanden zu enttäuschen

Nach außen wirkt das oft ruhig, kompetent und angepasst.

Nach innen hingegen erleben Betroffene nicht selten Grübeln, Anspannung oder das Gefühl, sich selbst aus dem Blick zu verlieren.

 

Typische Auswirkungen im Arbeits- und Beziehungskontext

 

Wenn die eigene Autonomie dauerhaft zurückgestellt wird, kann das verschiedene Folgen haben:

  • Führung wird anstrengend und fühlt sich schwer an

  • Verantwortung wird übernommen, ohne echten Gestaltungsspielraum zu erleben

  • Entscheidungen sind mit Schuldgefühlen oder Selbstkritik verbunden

  • Konflikte belasten lange innerlich, ohne geklärt zu werden

  • Beziehungen – beruflich wie privat – bleiben angespannt, obwohl viel investiert wird

Viele Betroffene fragen sich dann:
„Warum fällt mir das so schwer, obwohl ich doch eigentlich kompetent bin?“

 

Was im Coaching mit NARM veränderbar ist

 

Im NARM-basierten Coaching geht es nicht darum, Verhalten zu korrigieren oder „durchsetzungsfähiger“ zu werden. Stattdessen wird gemeinsam erforscht, wie sich eine Person innerlich organisiert – heute und in belastenden Situationen.

 

Im Coaching:

  • wird die eigene innere Wahrnehmung (Körperempfindungen, Gefühle, Gedanken) Schritt für Schritt bewusster

  • werden alte Anpassungs- und Loyalitätsmuster verständlich gemacht, ohne sie abzuwerten

  • entsteht Raum, um Eigenständigkeit wieder als etwas Erlaubtes und Tragfähiges zu erleben

Diese neue innere Erfahrung verändert oft mehr als jede Technik:

  • Entscheidungen fühlen sich klarer und ruhiger an

  • Verantwortung wird bewusster übernommen – auch für sich selbst

  • Grenzen lassen sich setzen, ohne Beziehung als gefährdet zu erleben

  • Führung und Zusammenarbeit gewinnen an Klarheit und Authentizität

Autonomie bedeutet dann nicht, sich durchzusetzen oder abzugrenzen um jeden Preis.

Sondern, bei sich zu bleiben – auch im Kontakt mit anderen.


 

6. Die Vertrauens-Überlebensstrategie 

 

Die Vertrauens-Überlebensstrategie entwickelt sich dort, wo Vertrauen, Respekt und Würde früh verletzt oder instrumentalisiert wurden.

 

Im Erwachsenenleben zeigt sie sich weniger als offenes Misstrauen, sondern häufig als hochfunktionale, kontrollierende oder strategische Haltung, die im beruflichen Kontext zunächst sogar erfolgreich wirken kann – langfristig jedoch Zusammenarbeit, Führung und Konfliktklärung erheblich erschwert.

 

Woran ist die Vertrauens-Überlebensstrategie im Arbeitskontext erkennbar?

 

In Führung, Teams und Organisationen zeigt sich diese Überlebensstrategie unter anderem durch:

  • ein starkes Bedürfnis nach Kontrolle, insbesondere in unsicheren oder konfliktbeladenen Situationen

  • Schwierigkeiten, Verantwortung wirklich abzugeben oder Entscheidungen gemeinsam zu treffen

  • hohe Kränkbarkeit bei Feedback, Kritik oder abweichenden Meinungen

  • eine ausgeprägte Wachsamkeit gegenüber den Motiven anderer („Was will die Person wirklich?“)

  • Tendenz zu Machtkämpfen, subtiler Manipulation oder Rückzug aus echter Kooperation

  • ein inneres Erleben von „Ich muss mich schützen, sonst werde ich übergangen, benutzt oder bloßgestellt“

In Teams kann dies zu einer Atmosphäre führen, in der zwar professionell gearbeitet wird, aber echte Offenheit, Lernbereitschaft und Vertrauen fehlen.

 

Konflikte werden dann entweder eskaliert ausgetragen oder unter der Oberfläche gehalten, während sich Spannungen weiter aufbauen.

 

Typische Dynamiken in Führung und Konflikten

 

Führungskräfte mit einer ausgeprägten Vertrauens-Überlebensstrategie geraten häufig in ein inneres Dilemma:

 

Einerseits besteht der Wunsch nach Kooperation, Augenhöhe und Selbstverantwortung im Team – andererseits fühlt sich genau das unsicher an.

 

In Konflikten zeigt sich dies oft durch:

  • Dominanz oder Rückzug statt Dialog

  • den Versuch, recht zu behalten statt zu verstehen

  • Schuldzuweisungen oder moralische Überlegenheit

  • Schwierigkeiten, Verletzlichkeit oder Unsicherheit zu zeigen

  • eine starke Orientierung an Status, Position oder formaler Macht

Das zugrunde liegende Thema ist dabei selten fachlich, sondern fast immer relational: die Angst, erneut die eigene Würde oder Kontrolle zu verlieren.

 

Wie NARM-Coaching hier ansetzt

 

Im NARM-Coaching geht es nicht darum, Vertrauen „herzustellen“ oder bestimmte Verhaltensweisen zu trainieren. Stattdessen wird der Blick auf die unbewussten Schutzstrategien gelenkt, die heute noch wirksam sind – und früher einmal notwendig waren.

 

Zentrale Fragen im Coaching sind unter anderem:

  • In welchen Situationen wird Misstrauen oder Kontrolle automatisch aktiviert?

  • Welche frühen Erfahrungen haben diese Schutzstrategie sinnvoll gemacht?

  • Was wird heute noch vermieden – etwa Abhängigkeit, Fehler, Nähe oder Offenheit?

  • Welche neuen Handlungsspielräume wären möglich, ohne das innere System zu überfordern?

Durch inneres Erkunden und einer achtsamen, nicht konfrontative Herangehensweise kann die Bewusstheit erweitert werden und das Nervensystem Schritt für Schritt neue Erfahrungen machen:

Kontakt ohne Beschämung, Einfluss ohne Machtausübung, Nähe ohne Kontrollverlust.

 

Wirkung und Nutzen im Nachgang eines Coachings

 

Nachhaltige Veränderungen zeigen sich weniger in schnellen Verhaltensänderungen, sondern in einer veränderten inneren Haltung:

  • mehr innere Sicherheit in Beziehungssituationen

  • weniger defensive Reaktionen bei Kritik oder Unsicherheit

  • klarere, souveränere Führung ohne permanente Kontrolle

  • konstruktivere Konfliktklärung auf Augenhöhe

  • verbesserte Zusammenarbeit und tragfähigere Beziehungen im Team

Viele Führungskräfte berichten, dass Entscheidungen leichter fallen, Konflikte früher angesprochen werden und Zusammenarbeit weniger energiezehrend ist.

 

Vertrauen entsteht dabei nicht als Pflicht oder Ideal – sondern als realistische, regulierte Fähigkeit, die sich im Alltag bewährt.


 

7. Überlebensstrategie Liebe–Sexualität

„Bin ich als Mensch gut genug, oder muss ich etwas leisten?“

 

Im NARM-Modell geht es in dieser Überlebensstrategie nicht in erster Linie um Sexualität im engeren Sinne, sondern um den tiefen Bereich von Selbstwert, Selbstannahme, Ausdruck von Zuneigung und der Fähigkeit, sich als Mensch zu zeigen, ohne dafür etwas leisten zu müssen.

 

Wenn in der Kindheit die Botschaft entstanden ist, dass man nur dann Zuwendung bekommt, wenn man „brav“, angepasst, leistend oder besonders ist, prägt sich häufig eine innere Dynamik aus:

 

„Ich reiche so, wie ich bin, eigentlich nicht.“

 

In Arbeits- und Führungskontexten zeigt sich das oft erstaunlich subtil:

  • Selbstwert hängt stark von Leistung oder Anerkennung ab

  • Versagensangst führt zu Perfektionismus oder Überkontrolle

  • Kritik wird als persönlicher Angriff erlebt

  • Sichtbarkeit erzeugt Druck

  • Erfolg fühlt sich „nie genug“ an

  • Lob kommt nicht an

Nach außen kann das sehr leistungsstark aussehen – innerlich bleibt aber ein schmerzhaftes Gefühl von „nie genug“, das massiv zu Erschöpfung, Selbstentwertung und Stress beitragen kann.


 

Sichtbar im Führungsalltag

 

Führungskräfte mit diesem Muster übernehmen häufig enorm viel Verantwortung, sind engagiert, verbindlich und „immer da“.

 

Gleichzeitig fällt es ihnen schwer, Anerkennung anzunehmen oder sich verletzlich zu zeigen.

 

Typisch ist die innere Überzeugung:

„Wenn ich nicht ständig etwas beitrage, verliere ich Wert.“

 

In Teamsettings äußert sich das z. B. so:

  • Verantwortung wird automatisch übernommen

  • Grenzen werden nicht kommuniziert

  • Rückmeldungen werden überinterpretiert

  • Konflikte werden als Gefahr für den Selbstwert erlebt

Die Folge: statt lebendige Führung entsteht Überanstrengung bei gleichzeitigem Kontaktverlust zu sich selbst – und oft auch zu anderen.


 

Wie wir im Coaching damit arbeiten

 

Im psychodynamischen Coaching geht es zunächst darum, die ursprüngliche Intelligenz dieser Strategie zu würdigen: Sie war einmal Schutz.

 

Dann schauen wir gemeinsam, wie diese Selbstwertlogik heute wirkt, z. B. in Führungsverantwortung, im Umgang mit Leistung, in Veränderungsprozessen oder unter Druck.

 

Wir erforschen achtsam:

  • wann Eigenwert plötzlich über Leistung definiert wird

  • welche Emotionen dahinter sichtbar werden (häufig Scham)

  • welche inneren Botschaften aktiv werden

  • wie sich Stress im Körper widerspiegelt

  • welche alternativen Reaktionen möglich wären

Das Entscheidende ist nicht, „weniger zu leisten“, sondern den Schritt zu innerer Selbstdifferenzierung zu ermöglichen:

„Ich darf gut sein, ohne perfekt sein zu müssen.“


 

Was sich verändert

 

Wenn diese innere Dynamik bewusster wird, berichten Klient*innen oft, dass sich etwas spürbar verschiebt:

  • Anerkennung kommt überhaupt erst an

  • Druck nimmt ab

  • der Körper entspannt sich

  • Erfolg wird nicht überkompensiert

  • Kritik wird weniger bedrohlich

  • Selbstwert wird unabhängiger von Leistung

Leistung verliert dann nicht an Bedeutung – aber sie definiert nicht mehr das ganze Selbst.

 

Menschen erleben mehr innere Freiheit, sich selbst zu zeigen, ohne sich beweisen zu müssen. Und genau hier entsteht eine tiefere Form von Präsenz, Authentizität und Führungswirksamkeit.


 

8. Wie Veränderung entsteht:

 

Die Prinzipien meiner NARM-orientierten Coachingarbeit

 

NARM arbeitet mit vier zentralen Prinzipien, die meine Coachingbegleitung prägen:

 

1. Klarheit über deine Ausrichtung

 

Was wünschst du dir von deinem Coachingprozess?

 

Oft zeigen sich tieferliegende Anliegen wie:

  • innere Ruhe

  • Verbundenheit

  • emotionale Reife

  • Mut, sich zu zeigen

  • Grenzen, die sich echt anfühlen

  • weniger Scham, weniger Stress, weniger Überforderung

Diese Ausrichtung dient als Kompass.

 

2. Neugier im Hier und Jetzt

 

Wir analysieren nicht deine Vergangenheit – wir erforschen, was jetzt passiert, während du über eine Situation sprichst:

  • Atmung

  • Anspannung

  • Körperhaltung

  • Sprechen oder Verstummen

  • Scham

  • Rückzug

  • Bedürfnis nach Kontrolle

  • Bedürfnis nach Harmonie

Diese Signale bringen Klarheit über die aktive Überlebensstrategie.

 

3. Selbstverantwortung ohne Schuld

 

Du bist nicht verantwortlich für das, was dir als Kind gefehlt hat. Du bist verantwortlich für die Gestaltung deines heutigen Lebens.

Dieser Unterschied ist entlastend – und befreiend.

 

4. Neue Erfahrungen statt nur Erkenntnisse

 

Veränderung entsteht im Körper. Wir verankern kleine, alltägliche Momente von:

  • Selbstkontakt

  • innerer Ruhe

  • authentischem Ausdruck

  • klaren Grenzen

  • echter Bedürfniswahrnehmung

  • emotionaler Regulierung

  • Verbundenheit

Das Nervensystem lernt: Es ist heute sicher, anders zu reagieren als früher.


 

9. Wie eine NARM-orientierte Coachingstunde aussehen kann

 

1. Ankommen

 

Ein erster Blick nach innen: Wie ist es gerade in dir?
Der Körper gibt oft die erste Antwort: Enge, Ruhe, Druck, Weite, Nervosität oder Klarheit.

 

2. Erkunden

 

Zuerst klären wir deinen Wunsch für diese Sitzung: Was ist dir jetzt wichtig?

 

Dann frage ich nach deinem Einverständnis, gemeinsam zu erkunden, was diesem Wunsch im Inneren in den Weg kommt. Erst wenn du zustimmst, beginnen wir das innere Erforschen.

 

Während du erzählst, lade ich dich ein, innezuhalten und wahrzunehmen:

  • wie sich dein Atem verändert

  • ob der Brustraum „einbricht“

  • ob Scham auftaucht

  • ob du dich erklären oder verstecken willst

  • ob du dich zurückziehst oder anpasst

Diese Signale weisen auf aktive Überlebensstrategien hin, die wir als Hypothesen betrachten.

 

3. Verlangsamen

 

Wir gehen nicht über Gefühle hinweg, sondern geben ihnen Raum. Verlangsamen bedeutet:
Wir bleiben präsent, während etwas Unangenehmes auftaucht – und das Nervensystem merkt, dass es sicher ist.

 

4. Verankern

 

Welche kleine Veränderung zeigt sich?
Mehr Weite?
Ein tieferer Atemzug?
Ein Satz, der vorher nicht möglich war?

 

Diese neuen Erfahrungen werden bewusst gehalten.

 

5. Übertragen in den Alltag

 

Innere Veränderung wird konkret, wenn sie im Alltag lebendig wird:

  • ein bewusstes „Ich brauche…“

  • ein klares „Nein“

  • eine Sekunde länger bei dir bleiben

  • nicht sofort in den Kopf springen

  • nicht sofort harmonisieren

  • präsent bleiben, wenn es unangenehm wird


 

10. Für wen ist NARM-orientiertes Coaching hilfreich?

 

Für Menschen, die …

 

  • immer wieder in ähnliche Konflikte geraten

  • beruflich funktionieren, aber innerlich den Kontakt verlieren

  • sich anpassen, statt sich zu zeigen

  • unter Scham, Perfektionismus oder Überbeanspruchung leiden

  • Schwierigkeiten mit Nähe oder Grenzen haben

  • in Führung emotional blockieren oder überverantwortlich handeln

  • in Beziehungen nicht die Tiefe erleben, die sie sich wünschen

  • spüren, dass „etwas Altes“ stärker wirkt, als es ihnen lieb ist


 

Mehr zu meinen und unseren Angeboten im Business-Kontext gibt es auf www.mhochx.com

 

Unsere Angebote für Coaching-Retreats und intensives 1:1 Coaching sind hier zu finden: www.eraum.info 

 

Unsere Angebote für Paare gibt es hier: www.paarbeziehung-im-fokus.de

 

Herzliche Grüße von

Menexia Kladoura

Der neue Newsletter ist da

EntfaltungsRaum Newsletter Vol.4

Diesen Inhalt teilen:

Bleiben Sie informiert

Weitere Beiträge

Introvision Coaching

IntrovisionCoaching: eine Methode, um Leidensdruck nachhaltig zu verändern. Im Fokus steht dabei, innere Konflikte und blockierende Denkmuster zu entschlüsseln, anzuerkennen und zu verändern.

Stressbewältigung durch Coaching

Umgang mit unangenehmen Gefühlen

Unangenehme Gefühle integrieren, statt sie zu vermeiden. Psychodynamisches Coaching stärkt Selbstregulation, innere Ruhe und echte Verbindung – mit sich und anderen.

Resilienz Coaching achtsamkeitsretreat nachhaltige Verhaltensänderungen

Selbstregulation in Coaching und Mediation

Selbstregulation und Empathie sind entscheidend für Stressbewältigung, Teamkonflikte und gelingende Beziehungen. Erfahren Sie, wie Coaching und Mediation dabei unterstützen und welche Übungen helfen.

Nach oben scrollen