Perfektionismus im Coaching

Perfektionismus macht erfolgreich – und gleichzeitig erschöpft. Im Coaching arbeite ich ganzheitlich mit diesem Muster: mit dem Gestalt-Ansatz, NARM und IntrovisionCoaching. Für mehr Gelassenheit und innere Freiheit.

Stressbewältigung durch Coaching Perfektionismus im Coaching

Perfektionismus im Coaching

Wenn Höchstleistung erschöpft statt erfüllt


 

Du lieferst. Immer. Du überprüfst Dinge mehrfach, denkst über Fehler nach, die andere längst vergessen haben, und kannst kaum abschalten, wenn ein Projekt noch nicht fertig ist. Nach außen hin wirkt das wie Stärke – und vielleicht war es das auch lange Zeit. Aber irgendwann beginnt dieser Antrieb zu reiben: Du bist erschöpft, nie wirklich fertig, und Gelassenheit fühlt sich wie ein Luxus an, den du dir nicht leisten kannst.

 

Perfektionismus ist kein Charakterfehler. Er ist eine hochintelligente Strategie – und gleichzeitig eine, die irgendwann ihren Preis fordert. In diesem Artikel zeige ich dir, wie ich im Coaching mit diesem Muster arbeite: ganzheitlich, mit Tiefgang und dem klaren Ziel, mehr Gelassenheit zu entwickeln – ohne das aufzugeben, was dich stark macht.


 

Was steckt wirklich hinter Perfektionismus?

 

Perfektionismus wird oft mit Akribie oder hohen Standards verwechselt. Das ist nicht dasselbe. Hohe Ansprüche können motivieren und gute Ergebnisse produzieren. Perfektionismus dagegen ist getrieben – von Angst, von einem inneren Maßstab, der nie ganz erfüllt wird, von dem Gefühl: Wenn ich einen Fehler mache, wird etwas Schlimmes passieren.

 

Dieses „etwas Schlimmes“ ist nicht immer bewusst. Es kann Ablehnung sein, Versagen, Scham, das Gefühl, nicht dazuzugehören. Wer früh die Erfahrung gemacht hat, dass Fehler Konsequenzen haben – soziale, emotionale, manchmal auch handfeste –, lernt schnell: Bloß keinen Fehler machen. Diese Lernerfahrung sitzt tief. Sie ist nicht rational, und sie lässt sich nicht einfach durch Vorsätze überschreiben.

 

Wenn du erkennst, dass in dir manchmal ein innerer Kritiker lauter wird als dir lieb ist, lohnt sich auch der Blick in meinen Artikel über den inneren Kritiker – er ist eng mit Perfektionismus verwandt.


 

Was Perfektionismus kostet

 

Der Preis ist vielschichtig – und oft schleichend. Typische Muster, die ich im Coaching häufig sehe:

  • Chronische Erschöpfung, weil nie wirklich „fertig sein“ darf
  • Prokrastination als verkannter Unterdog: Wenn Perfektion unmöglich scheint, passiert gar nichts mehr
  • Schwierigkeiten beim Delegieren – weil andere es sowieso nicht so gut machen
  • Gefühl, nie wirklich stolz auf eigene Leistungen sein zu können
  • Innere Kritikerstimme, die Misserfolge übergewichtet und Erfolge relativiert
  • Körperliche Signale: Anspannung, Schlafprobleme, Engegefühl in der Brust

Wie Coaching dabei hilft, stresserzeugende Denkmuster zu verändern, beschreibe ich in einem eigenen Artikel.

Unbeachtet kann Perfektionismus auch ein Einfallstor für Erschöpfung und Burnout werden – besonders in Führungspositionen, wo der Druck, fehlerfrei zu wirken, noch einmal zunimmt.


 

Wie ich im Coaching mit Perfektionismus arbeite – ganzheitlich und mit Tiefgang

 

Im Coaching geht es nicht darum, Perfektionismus abzuschaffen oder auf 80% herunterzustimmen. Das wäre zu kurz gedacht – und würde den Teil von dir, der sich mit hohen Standards identifiziert, nicht ernst nehmen. Der erste und entscheidende Schritt ist, Perfektionismus als das zu würdigen, was er ist: eine intelligente Anpassungsleistung, die irgendwann genau das Richtige war.

Was ich in meiner Arbeit einsetze, ist ein Methodenmix aus Gestalttherapie, NARM, IntrovisionCoaching und systemischen Ansätzen – je nachdem, was du mitbringst und was in deinem Prozess trägt.

 

Gestalttherapie: Veränderung beginnt mit Kontakt – nicht mit Kampf

 

Ein zentrales Prinzip der Gestalttherapie lautet: das Paradox der Veränderung. Je mehr jemand versucht, Perfektionismus zu bekämpfen oder abzuschalten, desto fester sitzt er. Echte Veränderung entsteht nicht durch Willenskraft, sondern durch vollständigen Kontakt mit dem, was ist.

 

Das bedeutet in der Praxis: Wir lernen den Perfektionismus zunächst besser kennen. Wie ist er gerade spürbar? Was sagt er? Wen klingt er? Und vor allem: Was schützt er? Oft steckt darunter etwas Verletzliches – Scham, die Angst nicht zu genügen, alte Erfahrungen von Kritik oder Abweisung.

 

Dabei arbeite ich auch mit der Topdog/Underdog-Dynamik der Gestalttherapie: Der Topdog – die treibende, fordernde Stimme – und der Underdog – erschöpft, heimlich trotzend, manchmal prokrastinierend – führen oft einen inneren Erschöpfungskrieg. Diese beiden Teile in Dialog zu bringen, ist ein kraftvoller Weg heraus aus dem Kreislauf.

 

Perfektionismus ist außerdem häufig ein Introject: eine Botschaft, die irgendwann von außen aufgenommen wurde, ohne sie wirklich kauen und integrieren zu können. Vielleicht aus der Familie, der Schule, dem ersten Job. Die Gestaltfrage lautet dann: Ist das wirklich dein Maßstab – oder einer, den du geerbt hast?

 

NARM: Die Überlebensstrategie würdigen

 

Im Rahmen des NeuroAffective Relational Model (NARM) verstehen wir Perfektionismus als Überlebensstrategie, die sich auf Identitätsebene verankert hat. Häufig steckt dahinter ein tiefer, oft unbewusster Glauben: Ich bin gut genug, wenn ich keine Fehler mache. Ich darf dazugehören, wenn ich leiste.

 

Diese Annahme ist nicht bewusst – und sie lässt sich nicht einfach durch neue Überzeugungen ersetzen. NARM arbeitet deshalb nicht mit dem Symptom, sondern fragt: Welches Selbstbild trägt dieser Mensch, das den Perfektionismus braucht? Und was würde entstehen, wenn es ein bisschen mehr Raum für Unvollkommenheit gäbe?

 

Typisch ist ein gespaltenes Erleben: nach außen Kompetenz und Kontrolle, nach innen ein chronisches Gefühl von „eigentlich nicht gut genug“. Der NARM-Ansatz hilft, diese Spaltung wahrzunehmen – und Schritt für Schritt ein neues, verkörpertes Erleben zu ermöglichen: Ich bin auch ohne Perfektion willkommen.

 

Diese Arbeit überschneidet sich mit dem, was ich im Kontext des Impostor-Syndroms beschreibe – auch dort spielt innere Sicherheit jenseits von Leistung eine zentrale Rolle.

 

IntrovisionCoaching: Das innere Muss entschärfen

 

Das IntrovisionCoaching ist für das Thema Perfektionismus besonders präzise – weil Perfektionismus fast immer auf einem inneren Imperativ (Muss / Darf nicht) beruht: Es darf nicht sein, dass ich einen Fehler mache. Es darf nicht sein, dass andere sehen, dass ich Grenzen habe.

 

Solche Imperative erzeugen eine permanente innere Alarmbereitschaft. Das Nervensystem ist angespannt, Fehler werden als Bedrohung erlebt, nicht als Information.

 

Im IntrovisionCoaching wird dieser Imperativ zunächst exakt benannt – und dann mit einer ruhigen, nicht-wertenden Erkundung untersucht: Was passiert, wenn ich diesen Satz loslasse? Was zeigt sich im Körper, wenn ich mir vorstelle, etwas mit 80% abzuschließen? Das Ziel ist kein mentales Umswitchen, sondern ein wirkliches inneres Ja zur Realität – auch zur eigenen Unvollkommenheit. Das ist der direkteste Weg zu Gelassenheit, den ich in meiner Arbeit kenne.

 

Systemisch: Wozu braucht dein System diesen Perfektionismus?

 

Perfektionismus ist häufig kontexttreu. Er passt zu einem System – einer Familie, einer Organisation, einer Berufskultur –, in dem Fehler bestraft wurden oder Leistung die einzige Währung für Zugehörigkeit war. Systemische Fragen helfen, diese Loyalität sichtbar zu machen:

 

  • Was würden deine engsten Kolleg:innen sagen, wenn du ab morgen 80% reichen ließest?
  • Wem in deiner Familie würdest du damit unähnlich werden?
  • Welche Botschaft über Fehler hast du früh mitbekommen – explizit oder durch Beobachten?

Diese Fragen öffnen einen Raum, in dem Perfektionismus nicht mehr als persönliche Schwäche erscheint, sondern als Antwort auf ein System. Und das macht ihn verhandelbar.

 

Gerade in Führungsrollen ist dieser Aspekt besonders relevant. Im Führungscoaching begegnet mir Perfektionismus regelmäßig – oft verknüpft mit Schwierigkeiten beim Delegieren, mit dem Gefühl, alles im Griff haben zu müssen, und mit echter Erschöpfung.

 

Körper und Achtsamkeit: Gelassenheit verkörpern, nicht beschließen

 

Gelassenheit ist kein kognitiver Entschluss. Sie ist ein verkörperter Zustand – und lässt sich deshalb nicht allein im Kopf herstellen. In meinen Coachings arbeite ich deshalb auch mit dem, was der Körper zeigt: Wo spürst du den inneren Antreiber? Was verändert sich, wenn du dir vorstellst, etwas mit 80% abzuschließen?

 

Emotionale Intelligenz und Selbstregulation sind hier eng miteinander verbunden: Wer lernt, die eigenen Gefühle wahrzunehmen und zu halten, muss sie nicht mehr kontrollieren – und braucht dafür weniger Perfektionismus.

 

Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie Coaching dabei hilft, nachhaltig mit schwierigen Gefühlen umzugehen, findest du dazu auch meinen Artikel über Emotionen im Griff.


 

Was Gelassenheit wirklich bedeutet

 

Gelassenheit bedeutet nicht, gleichgültig zu werden oder die eigenen Ansprüche aufzugeben. Sie bedeutet: Kontakt mit dem Unvollkommenen, ohne dass der Selbstwert einbricht. Das ist ein Unterschied ums Ganze.

 

Menschen mit echter Gelassenheit haben klare Werte und hohe Maßstäbe – aber ihre Stabilität hängt nicht von Perfektion ab. Fehler werden zu Information statt zu Bedrohung. Unfertigkeiten können gezeigt werden, weil das Fundament trägt.

 

Diese Art von Gelassenheit entsteht nicht durch Übung allein. Sie entsteht, wenn der tiefere Grund des Perfektionismus berührt und verändert wird – wenn der Teil, der sich niemals gut genug fühlen konnte, eine neue Erfahrung macht: dass er willkommen ist, auch ohne Höchstleistung.

 

Mehr dazu, wie Coaching dabei konkret unterstützt, findest du auch in meinem Artikel Gelassener werden mit Coaching.


 

Was nachhaltige Veränderung braucht

 

Perfektionismus ist ein tiefes Muster. Was entsteht in einem guten Prozess, ist zunächst mehr Bewusstsein: Wann übernimmt der Antreiber das Steuer? Was ist der Auslöser? Was steckt darunter? Dann wächst die Fähigkeit, in solchen Momenten innezuhalten und bewusst zu wählen – statt automatisch zu reagieren.

 

Ich beschreibe das detaillierter in meinem Artikel über nachhaltige Verhaltensänderung im Coaching – weil Perfektionismus dort eines der häufigsten Themen ist.

 

Manche Prozesse profitieren auch von einem anderen Setting: intensiver, ruhiger, abseits des Alltags. Ein Retreat für innere Klarheit am Ammersee, auf Kreta oder in Ludwigsburg bietet genau diesen Raum.


 

Du erkennst dich hier? Das ist dein nächster Schritt.

 

Wenn du merkst, dass Perfektionismus dich mehr kostet als er dir gibt – dass er Energie zieht statt gibt, dass Gelassenheit sich wie ein fremdes Terrain anfühlt –, dann lohnt es sich, genauer hinzusehen. Nicht um den Perfektionismus loszuwerden, sondern um ihn zu verstehen. Und dann: um dir mehr innere Freiheit zu schaffen.

 

Genau dafür ist Coaching da.

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Menexia Kladoura ist Coach, Mediatorin und Führungskräfte-Begleiterin in Ludwigsburg. Sie arbeitet systemisch, achtsamkeitsbasiert und psychodynamisch – u.a. mit NARM, IntrovisionCoaching und Gestalttherapie-Ansätzen. Ihr Ziel: Tiefgang, der im Alltag trägt.


 

Unsere Leistungen im Business-Kontext finden Sie hier:

www.mhochx.com

 

Unsere Coaching-Retreats finden Sie hier:

www.eraum.info

 

Unsere Paarberatung und Paar-Mediation finden Sie hier:

www.paarbeziehung-im-fokus.de

 

Freundliche Grüße von

Menexia Kladoura und dem ganzen Team von M hoch x

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