Wiederholungsmuster Coaching

Warum sich Konflikte, Führungssituationen und Beziehungsdynamiken immer wieder wiederholen – und was das Coaching-Konzept der unverarbeiteten Situationen darüber verrät. Praxisnah erklärt mit Beispielen aus Führung, Teams und Mediation.

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Wiederholungsmuster Coaching

Was unverarbeitete Situationen in Führung, Teams und Beziehungen verraten


Kategorie: Führung & Coaching | Lesezeit: ca. 10 Minuten
Tags: Wiederholungsmuster, Gestalt Coaching, unverarbeitete Situationen, Führungskräfte-Coaching, Teammediation, Konfliktmuster, Persönlichkeitsentwicklung


 

Kennst du das Gefühl, dass sich bestimmte Situationen in deinem Leben hartnäckig wiederholen?

 

Der Konflikt mit einer Führungskraft, der immer wieder an derselben Stelle aufbricht. Das Teammeeting, das jedes Mal in derselben Sackgasse endet. Die Beziehungsdynamik, die du schon aus einer früheren Partnerschaft kennst – und die sich dennoch neu aufgebaut hat. Der Mitarbeitende, bei dem du das Gefühl nicht loswirst, dass trotz guter Gespräche nichts wirklich weitergeht.

Das ist kein Zufall. Und es ist auch keine Schwäche.

 

Es ist das, was Fritz Perls, der Begründer der Gestalttherapie, als eine unverarbeitete Situation („Gestalt“) bezeichnet hat – eine Situation, die noch nicht wirklich abgeschlossen wurde. Und es ist eines der kraftvollsten Erklärungsmodelle für das, was in Coaching, Mediation und Führungsentwicklung wirklich hinter festgefahrenen Mustern steckt.


 

Wenn unverarbeitete Situationen uns nicht loslassen – was Perls darin erkannte

 

Perls beobachtete, dass unser Organismus unabgeschlossene Situationen nicht loslässt. Er kommt immer wieder zu ihnen zurück – in Gedanken, in Träumen, in Wiederholungen des alltäglichen Lebens. Nicht weil wir masochistisch sind oder nicht lernfähig. Sondern weil etwas in uns weiß: Hier ist noch etwas offen. Hier liegt eine Lösung bereit, die noch nicht gefunden wurde.

 

Was Freud noch als „Wiederholungszwang“ und Todestrieb deutete, sah Perls genau umgekehrt: Das Wiederholen ist ein Versuch, lebendig zu werden – ein Impuls, etwas endlich in Angriff zu nehmen, zu erleben und abzuschließen.

 

Das hat weitreichende Konsequenzen für die Praxis.

Im Führungscoaching bedeutet das: Wenn eine Führungskraft immer wieder in denselben Dynamiken feststeckt – Überforderung trotz Kompetenz, Konflikte mit dem gleichen Muster, ein Gefühl von Leere trotz Erfolg – dann ist das kein Charakterproblem. Dann liegt ein eine unverarbeitete Situation vor, das Aufmerksamkeit braucht.


 

Wir sind alle aufgespalten – und das ist der Anfang vom Verstehen

 

„Ich glaube, dass wir alle in viele Teile aufgespalten sind.“

 

Dieser Satz von Perls klingt drastisch. Er trifft aber etwas sehr Reales, das sich im Coaching-Alltag täglich zeigt.

Menschen spalten Teile von sich ab – Gefühle, die nicht erlaubt waren, Stärken, die nicht gesehen wurden, Bedürfnisse, die als schwach galten. Und was abgespalten wird, verschwindet nicht. Es taucht im Außen wieder auf: als das, was uns an anderen besonders stört. Als das, worüber wir uns aufregen. Als das, was wir bei anderen so bewundern, dass wir es bei uns selbst nicht sehen können.

 

In der Gestaltarbeit nennt man das Projektion: Ich nehme einen Teil von mir – eine Eigenschaft, ein Gefühl, eine Fähigkeit – und erlebe ihn als außen, als gehörte er jemand anderem.

 

Ein Beispiel aus dem Team-Kontext: Eine Teamleiterin ärgert sich chronisch über einen Kollegen, den sie als „zu wenig direkt, immer ausweichend“ erlebt. Im Teamcoaching wird deutlich: Dieser Kollege spiegelt ihr einen Teil, den sie selbst nicht zeigen darf – den Wunsch, manchmal einfach nicht kämpfen zu müssen. Ihr innerer „Topdog“ (der strenge Richter, der immer vorwärtsdrängt) hat den weicheren Teil vollständig abgespalten – und findet ihn jetzt bei ihrem Kollegen zum Ärgern.

 

Was hier hilft, ist nicht mehr Kommunikationstraining. Sondern das Zurückholen des projizierten Anteils. Der erste Schritt zur Lösung liegt in der Frage: Was nehme ich wahr – und was sagt das über mich?

 

Mehr über diesen Mechanismus – und warum er in Führungsbeziehungen so entscheidend ist – findest du im Artikel Blinde Flecken in Führung & Coaching.


 

Die Mauer, die schützt – und die auch erstickt

 

Eines der eindrücklichsten Bilder in der Gestaltarbeit stammt aus einer Sitzung, die Perls mit einer Frau namens May führt. Im Gespräch wird May zunehmend klar: Sie hat eine innere Mauer errichtet. Zum Schutz. Damit niemand hereinkommt.

 

Doch je länger sie mit dieser Mauer im Dialog bleibt – sie wortwörtlich sprechen lässt –, desto deutlicher wird: Die Mauer ist nicht ihr Feind. Die Mauer hat sie einmal gerettet. Sie hat Leute draußen gehalten, die ihr wehgetan hätten.

 

Aber inzwischen hält sie auch die anderen draußen. Die, von denen sie sich eigentlich wünscht, dass sie näherkommen.

Die Mauer sagt in diesem Dialog: „Ich weiche ein klein wenig zurück, gerade so viel, dass du dich ein bisschen wohler fühlst. Aber ich bin immer da. Und gerade wenn du es nicht erwartest, werde ich erst richtig groß – und erdrücke dich.“

 

Das ist keine Metapher aus dem Märchenbuch. Das ist eine sehr präzise Beschreibung von dem, was Menschen in Belastungssituationen erleben: Der eigene Schutzpanzer – einst lebensnotwendig – wird zur Einschränkung.

 

Im 1:1-Coaching begegne ich diesem Bild regelmäßig bei Menschen, die nach außen souverän und unerschütterlich wirken – und die gleichzeitig spüren, dass sie weder wirklich nah an andere herankommen noch sich wirklich zeigen können. Nicht weil sie das nicht wollen. Sondern weil ihr System auf Durchzug schaltet, bevor echter Kontakt entsteht.

 

Die Gestaltarbeit fragt dann nicht: „Wie werde ich meine Schutzmauer los?“ – das wäre zu direkt, zu konfrontativ, zu schnell. Sie fragt: „Was hat diese Mauer einmal gebraucht – und was brauchst du wirklich, um heute lebendiger zu sein?“

 

Wie Bindungsmuster aus frühen Erfahrungen diesen Schutzpanzer mitformen, beschreibt der Artikel Beziehungssicherheit aufbauen ausführlicher.


 

Wenn ein Prozess zum Ding wird: Die Gefahr der Verdinglichung

 

Perls hatte einen besonderen Blick für Sprache. Er bemerkte, wie wir lebendige Prozesse durch Hauptwörter einfrieren – und damit auch uns selbst.

 

„Ich habe eine Verspannung“ – klingt nach einem Etwas, einem Objekt, das dir passiert. Du bist passiv. Die Welt soll etwas tun: Aspirin geben, Massage empfehlen, schonen.

 

„Ich verspanne mich“ – jetzt bist du der Handelnde. Plötzlich stellt sich die Frage: Was tue ich genau? Wann? Wozu? Und was könnte ich anders tun?

Dieser Unterschied klingt trivial. Er ist es nicht.

 

Im Teamkontext: „Die Kommunikation in unserem Team ist schlecht“ – das ist ein Ding. Es gehört niemandem, also kann es auch niemand verändern.

„Wir kommunizieren so, dass Konflikte nicht ausgesprochen werden“ – jetzt ist es ein Prozess. Jetzt gibt es Handelnde. Jetzt ist Veränderung möglich.

 

In der Teammediation ist dieser Schritt – von der Diagnose als Ding hin zur Beschreibung als Prozess – oft der erste echte Wendepunkt. Denn solange ein Konflikt ein anonymes „Problem“ bleibt, das irgendwie da ist, kann niemand Verantwortung übernehmen. Und ohne Verantwortung keine Bewegung.

 

Wie stille Konflikte entstehen und warum Teams oft lange warten, bis sie Hilfe holen, beleuchtet der Artikel Stille Eskalation: Teamkonflikte lösen in Ludwigsburg & Stuttgart.


 

Die Phasen vor dem Durchbruch: Implosion und Explosion

 

Perls beschrieb, dass Menschen auf dem Weg zu echter Lebendigkeit durch verschiedene Phasen/Schichten hindurchmüssen. Ganz innen, vor dem eigentlichen Durchbruch, liegt die Implosionsphase: Ein Mensch zieht sich zusammen. Nichts scheint sich zu ereignen. Von außen kann das wie Starre, Lähmung oder Leere aussehen.

 

Das ist der Moment, in dem viele Menschen im Coaching denken: Es geht nichts voran. Oder: Das bringt nichts. Oder: Ich bin einfach so.

 

Perls sah es als Zeichen: Irgendwo ist Energie vorhanden. Sie sucht einen Weg. Und wenn der tote Punkt durchquert wird, kommt die Explosion – nicht im Sinne von Ausrasten, sondern als echter Ausdruck von Lebendigkeit: Wut, Freude, Trauer, Kontakt.

 

In der Praxis zeigt sich das oft so:

Im Coaching-Retreat am Ammersee oder auf Kreta – fernab vom Alltag, mit Zeit und Stille – erlebe ich immer wieder, wie Menschen in den ersten Stunden still werden, erschöpft wirken, nichts zu sagen wissen. Und dann, nach einer Nacht oder einem Spaziergang oder einem unerwarteten Gespräch, bricht sich etwas Bahn. Eine Erkenntnis. Eine Träne. Eine Klarheit, die plötzlich da ist und nicht mehr weggeht.

 

Das ist kein Zufall. Das ist der Organismus, der die Gelegenheit nutzt, um das Abzuschließen, was im Alltag keine Chance bekommt.

 

Mehr dazu, wie solche Räume bewusst gestaltet werden, findest du auf www.eraum.info oder auf der Seite zum EntfaltungsRaum.


 

Rückverbinden: Das Zurückholen, was du von dir abgespalten hast

 

Eine der zentralen Übungen in der Gestaltarbeit ist das Plätze-Tauschen: Du spielst nicht nur dich – du wirst auch das, was dir im Außen begegnet. Der schwierige Kollege. Der Konfliktpart im Team. Die nervige Eigenschaft an deiner Führungskraft. Das Bild aus deinem Traum.

 

Perls formulierte es so: „Je mehr du verleugnest, desto mehr verarmst du.“

Was wir abspalten, projizieren und außen bekämpfen, gehört ursprünglich zu uns. Und indem wir beginnen, diese Teile wieder zu bewohnen – sie zu spielen, zu spüren, mit ihnen in Dialog zu treten –, beginnt echte Integration.

 

Im Teamcoaching bedeutet das: Wenn zwei Lager im Team unversöhnlich erscheinen, kann es transformierend sein, wenn jede Seite die Position der anderen einnimmt – nicht um Recht zu geben, sondern um zu verstehen, welchen Anteil die eigene Seite an der Dynamik trägt. Teams, die das erleben, beschreiben es häufig als den Moment, in dem aus einem Machtkampf plötzlich wieder eine gemeinsame Aufgabe wird.


 

Verantwortung – nicht Schuld, sondern Fähigkeit zu antworten

 

Perls unterschied genau zwischen Schuld und Verantwortung. Und er hatte für das Wort eine sehr eigene Definition:

„Verantwortung bedeutet die Fähigkeit zu antworten – die Fähigkeit, lebendig zu sein, zu fühlen, empfindsam zu sein.“

Das ist das Gegenteil von Selbstgeißelung oder Schuldzuweisung. Es bedeutet: Ich bin derjenige, der handeln kann. Ich kann antworten – auf das, was ist.

 

Im Führungscoaching ist das einer der wichtigsten Wendepunkte: Nicht mehr zu fragen „Wer ist schuld an diesem Konflikt?“ – sondern: „Wie antworte ich? Welchen Anteil trage ich? Was ist mein nächster Schritt?“

 

Diese Haltung lässt sich nicht erzwingen. Sie entsteht, wenn jemand bereit ist, wirklich hinzuschauen – und wenn der Rahmen dafür sicher genug ist. Genau das ist Kern der Arbeit im Konfliktcoaching und in der Mediation Ludwigsburg Stuttgart.


 

Selbstregulierung: Warum Veränderung nicht erzwungen werden kann

 

„Jede absichtliche Änderung ist zum Scheitern verurteilt.“

Das ist ein Satz von Perls, der zunächst wie eine Provokation klingt. Aber er beschreibt eine tiefe Wahrheit der Gestaltarbeit: Echter Wandel kommt nicht durch Willenskraft allein. Er kommt durch organismische Selbstregulierung – also durch das, was sich von selbst ergibt, wenn ein Mensch wirklich mit dem in Kontakt kommt, was gerade ist.

 

Im Coaching heißt das praktisch: Wenn du jemanden zwingst, „jetzt endlich zu kommunizieren“, erzeugt das Widerstand. Wenn du jedoch einen Rahmen schaffst, in dem er wirklich fühlen kann, was der fehlende Kontakt kostet – dann entsteht Bewegung von innen.

 

Das ist auch der Grund, warum kurzfristige Maßnahmen bei Teamkonflikten oft nicht ausreichen. Ein Workshop, ein Konfliktgespräch, ein neues Regelwerk – sie können hilfreich sein. Aber nachhaltige Verhaltensänderung entsteht tiefer: dort, wo jemand seine eigenen Muster wirklich erkennt – und nicht weil jemand es von ihm verlangt.


 

Was das für dich bedeutet – in Führung, Team und Beziehung

 

Die Gestaltarbeit nach Perls stellt eine einfache und gleichzeitig weitreichende Frage: Was ist gerade wirklich da – und was weiche ich noch aus?

 

Dafür braucht es keinen Therapeuten oder eine Diagnose. Es braucht einen ehrlichen Blick, einen sicheren Rahmen und manchmal einfach jemanden, der hält – ohne zu urteilen und ohne schnelle Antworten.

 

Was das in der Praxis bedeutet:

Im Einzelcoaching für Führungskräfte schauen wir gemeinsam, welche Muster sich wiederholen – und was hinter dem Wiederholungsdrang steckt. Welches unverarbeitete Situationen treibt dich immer wieder in dieselbe Situation?

 

Im Teamcoaching arbeiten wir damit, welche Teile ein Team voneinander abspaltet – und wie sie wieder in echten Kontakt kommen können, statt aneinander vorbeizureden.

 

In der Team-Mediation holen wir das eigentliche Gespräch ans Licht, das unter den offiziellen Positionen läuft. Denn Konflikte, die sich wiederholen, haben fast immer etwas Unausgesprochenes an sich – ein eine unverarbeitete Situation zwischen Personen oder Gruppen.

 

Und in den Coaching-Retreats am Ammersee, in Ludwigsburg oder auf Kreta (buchbar auch über www.eraum.info) schaffen wir genau den Raum, den Perls für den Durchbruch beschrieb: Raus aus dem Alltag. Rein in das, was wirklich ist. Und durch den toten Punkt hindurch – in echte Lebendigkeit.

 

Viele dieser Muster haben ihre Wurzeln in der früheren Beziehungsgeschichte – das gilt im Beruf genauso wie in der Partnerschaft. Wer merkt, dass sich die eigentliche Arbeit auch zu zweit lohnt, findet dafür ein eigenes Angebot auf paarbeziehung-im-fokus.de.


 

Kurz zusammengefasst

 

Wenn sich Situationen in deinem Leben wiederholen – in Führung, im Team, in Beziehungen –, dann ist das kein Versagen und kein Schicksal. Es ist ein Signal: Hier liegt ein eine unverarbeitete Situation. Etwas wartet darauf, wirklich durchlebt, gefühlt und abgeschlossen zu werden.

 

Die Gestaltarbeit nach Perls bietet dafür einen praxisnahen, erlebnisorientierten Weg: nicht durch noch mehr Analyse, sondern durch echten Kontakt – mit dir selbst, mit dem, was ist, und mit dem, was du schon längst weißt, aber vielleicht noch nicht zugelassen hast.


 

Bereit für den nächsten Schritt?

 

Wenn du in diesem Artikel etwas erkannt hast – eine Situation, ein Muster, eine leise Ahnung –, dann ist das kein Zufall.

Ich begleite Führungskräfte, Teams und Einzelpersonen in Ludwigsburg, Stuttgart und der Region: im Einzelcoaching, in Coaching-Reihen, in Team-Mediationen und in intensiven Retreat-Formaten. Gestaltorientiert, bodenständig, direkt.

 

Mehr erfährst du auf www.mhochx.com oder auf der Seite zu M hoch x und Menexia Kladoura. Einen Überblick über alle Angebote gibt es unter Leistungen.

 

→ Jetzt ein kostenloses Erstgespräch vereinbaren


 

Dieser Artikel bezieht sich auf Konzepte der Gestalttherapie nach Fritz Perls, insbesondere auf seine Arbeit in „Gestalt in Aktion“. Die Übertragung in Führungs-, Team- und Beziehungskontexte basiert auf langjähriger Coaching-Praxis.

 

Herzliche Grüße aus Ludwigsburg,

 

Menexia Kladoura
M hoch x – Beratung, Coaching und Mediation


 

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Viel Freude beim Lesen wünschen

Menexia Kladoura und das ganze Team von M hoch x

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